„Besuch mich doch am Grab?“ und andere Nettigkeiten


„WENN DU SO WEITERMACHST, KANNST DU MICH BALD AM GRAB BESUCHEN KOMMEN!“

SO HAT SIE ES ERLEBT:

Ja, ich kenne die Self-Fullfilling-Prophecy…! Dieses Ding das besagt, dass die Gedanken das in der Realität erschaffen, was man zuvor gedacht hat. Sprich denke ich mich schlank, bin ich das auch bald darauf im realen Leben. Und denke ich mich krank, sprich äußere ich ständig negative Angstgedanken, dass ich krank werden könnte, dann bin ich eines Tages auch richtig krank…!

Ja ich kenne mich aus mit diesem Gedankengut! Es fällt mir immer auf, wenn andere Menschen diesen Fehler machen! Und dann sage ich es ihnen auch. Man muss doch Menschen warnen, wenn sie sich selbst ins Unglück denken bzw. reden. Oder?

Und dann behauptete mein lieber Josef doch unlängst, dass ich das AUCH machen würde! „Tztztz…!“ habe ich mir nur gedacht, „Was der noch alles lernen muss…!“ Denn mal ganz ehrlich: in meinem Fall war das eine ganz andere Situation!

Aber starten wir ganz von Anfang an: damals vor 2,5 Jahren als mein lieber Josef und ich uns kennenlernten. Damals nahm ich sofort wahr, wie auch nicht?, dass dieser Mann rauchte. Und nicht nur rauchte. Nein auch noch viel zu viel! Er rauchte so viel, dass er in der Nacht, ohne direkt eine Zigarette zu inhalieren, trotzdem Rauch ausatmete. Ich wusste damals nicht, ob es daran lag, dass er so viel rauchte, oder ob es daran lag, dass er schon „so alt“ war und eben schon so lange rauchte. Auf alle Fälle war das ein mir bis dato unbekanntes Phänomen gewesen. Und es führte dazu, dass ich in der Nacht nicht mehr neben ihm liegen konnte, weil ich sonst seinen gerade ausgeatmeten „Rauch“ selber einatmen hätte müssen…

Also ich bitte Sie, wen wundert es da, dass ich irgendwann darauf bestand, dass mein lieber Josef doch einfach mit dem Rauchen aufhören sollte! Das war doch nicht schwierig! Hatte er mir doch schon erzählt, er habe eine Hirnhautentzündung aus eigener Kraft im zarten Alter von 7 Jahren im Alleingang einzig und allein aufgrund seiner immensen Gedankenkraft geheilt, weil die Ärzte nicht feststellen konnten, woran er litt. Und hatte er mir nicht auch erzählt, dass er es auf die genau gleiche Art geschafft hatte, seinen Heuschnupfen nur mithilfe seines „Glaubens“ zu heilen?

Also was würde denn dem entgegensprechen, wenn er jetzt genau diese Gedankenkraft fürs Rauchen-Aufhören einsetzen würde?
Ja, und eines Tages musste ich zudem feststellen, dass er noch dazu ein ausgesprochener Mac Donalds Junkie war. Und nicht nur das?! Nein, er kaufte sich auch noch jedes Mal auf der Tankstelle beim nach Wien fahren eine Chilli-Leberkäsesemmel als Wegzehrung, damit er dann im Magen nicht mehr so viel Platz für Gemüse und andere gesunde Sachen, die es bei mir gab, zur Verfügung haben sollte. Ja zudem entdeckte ich noch, dass er Obst nicht aß, Gemüse nur bestimmte Sachen verspeiste, und dass er Sport, egal in welcher Variation, außer vor dem Fernseher, abgrundtief hasste und deswegen auch nicht ausübte.

Bitte jetzt frage ich Sie! Was würden Sie in so einem Fall tun? Da musste Frau doch energisch werden und ihm mindestens einmal am Tag vor Augen halten, wie ungesund er lebte, und wie nahe er seiner eigenen Beerdigung schon entgegenschritt. Und dass ich noch nie jemals einen Mann so geliebt hatte, und dass er das doch endlich kapieren sollte, dass ich ihn somit auch nicht in Bälde wieder verloren wissen wollte!

Sogar zu meiner Ärztin schleppte ich ihn dann. Die vor vorgehaltener Hand meinte: “Machen Sie sich keine Sorgen Frau Fehr, der arbeitet so hart, dass sein Körper das alles offensichtlich verträgt!“ Und jetzt frage ich sie, ja SIE, noch einmal: wer würde so einer Ärztin Glauben schenken? Eine die meint, so ein Lebensstil sei für irgendeinen Körper dieser Welt zu verkraften?

Und so wurden meine Methoden, des Projekts: Josef-Aufwecken immer perfider, vehementer, öfter und eindringlicher. Denn eines Tages musste er ja aufwachen!

Bis vorgestern, als mein liebster Josef mit eindrücklicher Stimme meinte: „Du redest mich dreimal am Tag ins Grab! Ich werde eines Tages nicht aufgrund der Zigaretten, des Leberkäses oder des Vitaminmangels sterben, ich werde sterben, weil du es mir ununterbrochen suggeriert hast!“

Und das war dann der Moment, wo ich aufwachte… Selffullfilling Prophecy….

DIE MORAL VON DER GESCHICHT: rede deinen Bauern nie ins Grabe nicht! Lass ihm seine Süchte und sei froh, dass er nirgendswo mehr Indoor raucht. Nicht einmal mehr in seinen Autos! Also dann, Danke dem lieben Josef für den ersten Schritt!

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SO HAT ER ES ERLEBT:

Ja ich lebe ungesund, das noch dazu bewusst, jedoch keines Falls aus Überzeugung, Protest oder um mir oder irgendjemand auf diesem Planteten etwas zu beweisen. Und ja ich rauche, trinke Alkohol, liebe Schokolade und ungesundes Fast Food. Genauso lieben würde ich natürlich gesundes, frisches Gemüse, frisch gekochte naturnahe Kost generell und vitaminreiches Obst. Letzteres hol ich mir zu gegebener Zeit durchaus frisch aus dem eigenen Garten oder gelegentlich im Supermarkt.

Nun, warum nur lebe ich trotz dem gegenteiligen Bewusstsein so ungesund. Die beiden Gründe sind der ewige Zeitmangel und meine Abneigung der Küchenarbeit gegenüber. Mein Talent ist hier so begrenzt, dass selbst das berühmte Paar Würstel eine Herausforderung darstellt und ich daher, wenn ich alleine bin, nur von Wurst- oder Leberkäsesemmeln sowie Schokolade lebe. Und warum mach ich das auch wenn ich abends zu meiner lieben Hilde in die „schöne“ Stadt fahre. Weil ich auch dort die Küchenarbeit verabscheue.

Mein liebster Schatz hat die Gewohnheit vor der Bettruhe ihre Hauptmahlzeit zu sich zu nehmen und würde dafür gerne auf mich warten, damit ich mit ihr, nach mitunter anstrengenden 10 – 15 Stunden Arbeitstag koche, esse und danach auch noch die Küche sauber machen helfe. Da ist die köstliche Chillileberkäsesemmel an der Tankstelle im Vorbeifahren allemal einfacher, stressfreier und angenehmer als Nächtens in der Küche zu stehen und mit vollem Magen ins Bett zu gehen.

Auch das Rauchen ist ein ewiger Kritikpunkt den ich mir von Anfang an anhören darf und dies obwohl ich meine „strenge“ Nichtraucherin doch als Raucherin kennengelernt habe. Mir schmeckt jedenfalls jede Zigarette, und ich bin in ihrer Gegenwart sehr kompromissbereit und ohnedies fast Nichtraucher.

All mein ungesundes Leben veranlasste dann meine liebe Hilde dazu, mich bei einer aus der eigenen Tasche zu bezahlenden Allgemeinärztin-Schrägstrich-Kinesiologin anzumelden, um vor Augen geführt zu bekommen, wie schlimm mein Leben ist, und wie fürchterlich es um meine Gesundheit aussehen würde. Nur blöderweise weit daneben. Diese Ärztin gab mir nach den Blutbefunden und meinen Schilderungen über mein Arbeitsleben Rückendeckung und meinte: „Solange ich körperlich viel arbeite, sollte das mein Körper vertragen, ja selbst die ca. 15 Zigaretten pro Tag würden mich nicht umbringen.“

Nur was macht so ein Befund mit meiner lieben Hilde? Sie fühlt sich aufgefordert noch mehr gegenzusteuern und erklärt mir seither von morgens bis abends, dass ich bei meiner Lebensweise nicht mehr lange zu leben hätte. Das ist ja echte Motivation und führt sofort zu einem Umdenken! Eben nicht!! Je mehr ich mich da unter Druck gesetzt fühle, desto schwieriger ist es auch nur eine Zigarette am Tag weniger zu rauchen, oder ohne Schokolade auszukommen…

Meiner Meinung nach ist das ungesunde Leben solange erträglich, solange man sich dessen bewusst ist und sich selbst nichts vormacht. Deshalb auch immer meine Aussage: „Ich lebe bewusst ungesund.“ Nur täglich vom naheliegenden Tod zu hören und immer auf die Sünden angesprochen zu werden, ist mit Garantie die Art, wie man schnellstmöglich wirklich krank wird. Daher habe ich mit immer größerer Vehemenz Protest eingelegt und meiner liebsten Hilde erklärt, wenn sie so weitermacht, dass sie mich tatsächlich bald beerdigen kann.

DIE MORAL VON DER GESCHICHT: lass dich auch von der sensibelsten Künstlerin nicht einschüchtern und hör auf dein inneres Verlangen. Danke dass ich mit meiner lieben Hilde mittlerweile häufig gesunde Gemüsegerichte genießen darf!

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