Gemeinsamer Kinobesuch, oder: was Mann darunter verstand - hildefehr.com

Gemeinsamer Kinobesuch, oder: was Mann darunter verstand

„GEMEINSAMER“ KINOBESUCH, ODER DAS WAS „ER“ DARUNTER VERSTEHT…

SO HAT SIE ES ERLEBT :

„The Wolf of Wallstreet“ mit Leonardo di Caprio musste es werden. Weil mein Sohn darauf bestand. „Ansonsten würde er nicht mitkommen!“ Ob das der geeignete Film für den ersten Kino-Ausflug mit Familie und meinem geliebten Josef sein würde, musste sich erst noch weisen!

Jeweils Nachos mit Käse in der linken und je einen halben Liter Cola in der rechten Hand, folgten Sohn, Tochter und ich meinem geliebten Josef, in den „richtigen“ Kinosaal, zu unseren „richtigen“ Plätzen. Da ich trotz Brille nur auf eine Sehstärke von 80% komme, hatte ich die Angewohnheit, uns im Kino immer in die 4. Reihe „Nicht fußfrei“ zu platzieren. Als ich aber in dem Moment Josefs vor Entsetzen sich rundherum rollende Augen sah, schlug ich sofort vor:

„Setzen wir uns doch einfach in die 6. Reihe!“–„Nein!“ –„Warum nicht?“ –„Weil du so weit vorne sitzen wolltest!“ – „Ja aber ich wusste ja nicht, als wie schlimm du das empfindest…“ –„Egal, ich setze mich jetzt auf die gekauften Plätze!“

Da mein Josef sowieso nicht ins Kino wollte und jetzt schon mit so einer Stimmung startete, saß ich ab nun auf der Hut. „Müsst ihr so laut kauen?“ zischte es dann recht bald von links. Natürlich von Josefs Seite… – „Wie? Laut kauen?“ – „Mit den Nachos!“ –  „Warum? Stört es dich?“ – „Ja!“ – „Aber das gehört doch dazu im Kino!“ – „Genau darum bin ich auch nie hier!“

„Spielverderber!“ dachte es ab nun in meinem Hirn. Jetzt war die Jugend endlich wieder einmal mit dabei, und was machte er? Nachos-Terror! Aber was versuchte Frau nicht alles, um den Familienfrieden wenigstens nach außen hin zu wahren. Und so blieb mir nichts anderes übrig, als die Jugend anzuhalten, doch bitte leiser zu kauen: „Wie soll das gehen Mama?“ – „Das weiß ich auch nicht. Tut es einfach!“

Als ich dann von Josef des Längeren nichts mehr vernahm, beruhigte ich mich wieder und wagte ein Weilchen später einen Seitenblick zu ihm. Und was sahen meine holden Äuglein? Dass er schlief. „Jooosef!“ – „Ja…?“ – „Warum hast du deine Augen zu?“ – „Ich ruhe mich nur ein wenig aus…“ Und dann musste ich eine ganze Filmlänge mitanschauen, wie mein lieber Josef alle halbe Stunde seine Augen für je genau 10 Sekunden öffnete, um dann wieder genüsslich weiter zu schlafen!

Anfangs war ich entsetzt. Dann wurde ich irgendwann wütend. Und irgendwann kochte ich innerlich vor Wut und Fassungslosigkeit darüber, dass mein Josef meinen Berufsstand dermaßen demütigte. Dass er während viele meiner Berufskollegen ihre Hohe Kunst darboten, einfach einschlief! Und bitte nicht nur schlief, nein irgendwann sogar zum Schnarchen anfing!

Und als mein Josef im Auto nachher auch noch meinte: „Also bitte Schatz, wozu beklagst du dich denn? Ich war doch eh bei dir und den Kindern!“ platzte mir auch endlich äußerlich der Kragen: „Jooosef, ich brauche im Kino doch niemanden neben mir, der schläft! Ich möchte jemanden neben mir, der nachher mit mir über den Film redet! Da gehe ich doch lieber alleine. Dann bin ich nicht enttäuscht, wenn der andere keine Ahnung von nichts hat! – „Aber Schatz, wir können doch drüber reden!“ – „Tzzz… und über was? Darüber in wievielen Oktaven du geschnarcht hast?!“

DIE MORAL VON DER GESCHICHT: Geh mit einem Bauern niemals ins Kino nicht, wenn er von seinem ewig langen Arbeitstag müde ist. Und das weiß mein geliebter Bauer inzwischen und beugt schon beim Vorschlag vor: „Nein Kino geht heute nicht!“ Danke dem lieben Bauern!

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SO HAT ER ES ERLEBT :

Was zum „spannenden“ Leben der Großstadt dazugehört, ist der regelmäßige Besuch im Kino, das hat mir meine allerliebste Hilde rasch klar gemacht. Na gut, dann besuchen wir halt mal einen Film um am spannenden Leben teilhaben zu können. In meinem „langweiligen“ Vorleben gab es Sky am Land und ich konnte nach wenigen Minuten entscheiden, ob ich mir den Film ansehen will, wieder an die Arbeit gehe, oder wenn die Zeit fortgeschritten ist, gemütlich auf der Couch einen erholsamen Fernschlaf genieße.

Nun mit einer Schauspielerin an der Seite sind die Entscheidungsmöglichkeiten stark eingeschränkt, denn hier darf auch kein Fernschlaf genossen werden, das kommt ja einer Beleidigung der Berufsgruppe Schauspielerinnen und Schauspieler, wie überhaupt der gesamten Film- und Schauspielbranche gleich. Also eine völlig neue Herangehensweise für mich, der ich nie ein Cineast war und Filme sehr kritisch sehe.

Dazu muss ich vorausschicken, dass ich schon das Fernsehen im Hause meiner Geliebten in einer Form erlebe, die ich bis dahin nicht kannte. So steht der Fernseher so nah, dass ich das Bild nur noch unscharf wahrnehme (warum heißt das Ding dann nicht Nahseher), und so wird das Fernsehen auch als echte abendfüllende Beschäftigung gesehen, bei der man sich kräftig stärkt. Nie davor hatte ich erlebt, dass Fernsehen so anstrengend sein konnte, und dass so auf eine Nahrungszufuhr geachtet wurde. Aufgrund der Nahrungszufuhr, musste ja auch immer die Lautstärke dementsprechend angepasst werden, da man ja die Essensgeräusche übertönen musste. Fernsehen war in meinem bisherigen Leben eher nebensächlich, und wenn mal geschaut wurde, war es spannend, und niemand kam je auf die Idee, diese Spannung durch Essen zu zerstören.

Mit dieser völlig unterschiedlichen Herangehensweise wagten wir dann den gemeinsamen Kinobesuch. Da für meinen Geschmack nichts Gutes zu sehen war, gab uns der Sohn den Film vor, er wollte unbedingt den von der Werbemaschinerie hoch gepriesenen Wolf of Wallstreet sehen. Beim Kartenkauf stellte ich schon mit Verwunderung fest, wie man nur so weit vorne Karten kaufen konnte. Für mich nur durch Sparsamkeit zu begründen. Die nächste Überraschung war dann der Kaufrausch der gesamten Familie, um genügend Proviant für die Filmlänge zur Verfügung zu haben.

Das ließ mich nicht nur Böses ahnen was die Geräuschkulisse anlangte, sondern war dann auch der Beleg dafür, dass es mit der Sitzreihe keinesfalls um Sparsamkeit gehen konnte, denn teurer wie an Kinoläden kann man ja wirklich nur noch an Autobahnraststätten einkaufen. Also wenn schon Hunger und Durst während eines Films, dann würde ich das selbst mitbringen, abgesehen davon, dass ich selbst beim Filmschauen nie hungrig wäre.

Dann endlich im sehr bequemen Sessel angekommen, musste ich feststellen, dass das wirklich sehr nahe ist, und ich dasselbe Problem wie mit dem zu nahen Fernseher zu hause hatte. Um ein scharfes Bild zu haben, musste ich mich gewaltig anstrengen. Auf diese meine Anmerkung kam dann der Vorschlag einfach weiter nach hinten zu gehen. Also freiwillig ins Kino gehen und dann noch Stress haben, weil ich jemanden den Platz versitze, das ist so ziemlich das allerletzte, was ich an einem gemütlichen Kinosonntag angestrebt hatte, weshalb ich das Angebot dankend ablehnte.

Der Film selbst war dann die absolute Draufgabe eines schönen Sonntagnachmittags. Absolut nichts Neues zu sehen und das Alte so grauslich überzeichnet, dass ich sehr bald begann mich aufs Ende zu freuen. Und so beschloss ich, wenigstens die Zeit zu nützen, um Schlaf nachzuholen.

DIE MORAL VON DER GESCHICHT: Überleg dir genau, wann und zu welchem Film du mit einer Künstlerin ins Kino gehst, denn ausgeschlafen aus dem Saal, geht gar nicht, da muss man schon ausgeschlafen reingehen!

Hilde Fehr - Coach für Selbstwert, Singles & Paare, Online-Kurse

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